Inhalt des gewählten Eintrages:


Haltung


Haltung

Haltung: innen und außen (sie hat immer zwei Seiten).

Wir können alles tun in der Mediation (wenn wir es können). Ob es Mediation oder etwas anderes ist, hängt von der Haltung ab.

Haltung ist - so ein verbreitetes Gefühl - der „Rest“. Man kann sie nicht erklären, d.h. nicht aus einem anderen Prinzip ableiten. Darum meint man, nichts Genaues darüber sagen zu können. Oder man führt sie aus der Erklärungsnot doch wieder auf andere Prinzipien zurück und misst sie daran. Dann ist es aber nicht Haltung, sondern Christentum, Moral, Gesetz, Ideologie...

Haltung ist das, was ich bin. Meine Person lässt sich nicht auf etwas anderes — außerhalb von mir — zurückführen und erklären. Ich kann also nicht sagen: “Ich tue das, weil ich diese oder jene Haltung habe, d.h. weil ich Christ, Moralist, Jurist oder Kommunist bin. Sondern ich tue das, weil ich es bin, weil es mein inneres Gesetz des Handelns ist, - und darum übernehme auch ich allein die Verantwortung. Für mein Handeln, für meine Haltung gibt es keine Rechtfertigung von außen, worauf ich mich zurückziehen, und womit ich mich entschuldigen
könnte.

Haltung ist Ethik. Haltung ist nicht, dass mir jemand sagt: „Du tust das und das!“; Haltung ist nicht, dass ich jemand sage: „Du tust das und das, weil es diese Haltung ist, die ich dir beibringen will!“ Sondern ich habe meine Haltung, und daran wird deine Haltung sichtbar, die eine andere ist. Meine Haltung ist ein Anstoß, der etwas auslöst, das in einem anderen passiert, und darum anders ist.

Haltung ist nichts Statisches, so wie eine Person nichts Statisches ist (z.B. Soldat). Haltung entsteht von Moment zu Moment. In jedem Moment muss ich mich nach meiner Haltung fragen. Eine Haltung, die ich nicht spüre, ist keine Haltung. Bilder dazu, die ich in Seminaren gehört habe, sind: Fels in der Brandung, Wicki (eine Figur aus „Hägar“), Katalysator, Gras im Wind u.v.a.m. Das Bewegliche und das Feste gehören immer zusammen. Über Bilder bekommt man Zugang zur Haltung. Haltung, die ich ausspreche, an der ich festhalte, ist keine Haltung in diesem Sinne, weil sie auf etwas Starres hinausläuft.

Speziell: Die Haltung des Mediators

Als Mediator bin ich in einer bestimmten Rolle. Aus dieser Rolle folgt ein bestimmter Aspekt meiner Haltung. Ich verwandle mich nicht in etwas anderes sondern übe meine Haltung in einer bestimmten Situation. Der Mediator ist Vermittler zwischen den verschiedenen (Einzel)-Welten. Wir nehmen einen Platz im Verbindungsmuster der Welt ein (the pattern which connects). Der Mediator ist nicht unbedingt Konfliktlöser sonder Konfliktklärer. Indem er den Konflikt klärt, löst sich ein Konflikt, der sich lösen will (denn es gibt auch Konflikte, die die Kontrahenten nicht lösen wollen). Der Mediator hat keine spezifische Absicht. Er ist da, und er ist mit Absicht (für sich) da. Indem er da ist und seine Haltung hat, tut er etwas.

Sein Ort:

„Ich bin Leben, das leben will, inmitten von Leben, das leben will“ (Albert Schweitzer)

9.7.2004 Werner Schieferstein
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