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Der Markt um den Konflikt befindet sich selbst im Konflikt.
Es gibt unterschiedliche Strömungen, die es scheinbar unmöglich machen, ein nachfragegerechtes Angebot zu stellen. Zu differenziert sind die Interessen der Marktteilnehmer. Viele sehen in der Mediation einen wichtigen Zukunftsmarkt. Ob und inwieweit diese Einschätzung der Realität entspricht, sollen die nachfolgenden Kapitel erläutern.
Die Positionen und Interessen der Marktteilnehmer
Ausgangspunkt aller Betrachtungen ist eine Darstellung der unterschiedlichen Positionen und Anliegen der wichtigsten Marktteilnehmer:
Die Justiz
Die Justiz ist in gewisser Weise ein Monopolist auf dem Markt der Streitbeilegung [1].
- Produkte:
a) Streitentscheidung, (integrierte) Güteverhandlung
b) das Portfolio wird zunehmend um (interne) Mediation erweitert
- Interessenlage:
a) Weniger gerichtsanhängige Streitigkeiten
b) schnellere Abwicklung
c) Kosten- und Ressourceneinsparung
- Lösungsansatz:
a) Justiz als Dienstleister
b) Die Mediation kann als eine Alternative zum Gerichtsverfahren die Nachfrage umlenken und auf diesem Weg zu einer Reduktion der gerichtsanhängigen Verfahren führen. Die gerichtsinterne Mediation soll diesen Effekt stimulieren helfen.
b) Im Falle der gerichtsinternen Mediation trägt der geringere Arbeitsaufwand der Richtermediatoren am einzelnen Fall zu einer geringeren Personalbelastung bei.
- Dilemma:
Die grundsätzliche Verbesserung des Justizangebotes im Rahmen der gerichtsinternen Mediation dürfte zu einem Anstieg der Nachfrage führen. Dem Kunden wird Mediation als kostenlose Erweiterung des Produktportfolos angeboten.
Die Anwaltschaft
- Produkte: Berufsvertretung
- Interessenlage:
a) Kompensation des Marktrückganges durch evtl. rückläufige Gerichtsnachfrage
b) Expansion durch Erweiterung der Nachfrage nach anwaltlicher Dienstleistung
c) Sicherung der angestammten Marktanteile der Rechtsberatung vor Fremdanbietern (Mediatoren, Versicherungen) außerhalb des Rechtsberatungsgesetzes
d) Steigerung der Kundenzufriedenheit bis zu 100% zufriedenen Kunden durch win-win Lösungen. Bei win-lsoe Lösungen beträgt der maximale Anteil zufriedener Kunden maximal 50%
- Dilemma:
a) Eine Steigerung der Inanspruchnahme der Mediation könnte zu einem Rückgang der Nachfrage nach der konventionellen anwaltlichen Dienstleistung führen. Zum Einen kennt die Mediation keinen Anwaltszwang und zum Anderen ist das Bedürfnis der Parteien nach je einem anwaltlichen Berater in einem kooperativen Prozess meist geringer als bei einer konfrontativen Vorgehensweise.
b) Wenn Mediation gefördert wird, öffnet sich auch der Markt für nichtjuristische Mitbewerber
Die Anwälte
- Produkte:
a) Rechtsberatung,
b) Rechtsvertretung,
c) Kombination aus a) und b) inclusiv "Seelsorge"
c) Mediation
- Interessenlage:
a) Vorbeugung oder Kompensation des individuellen Umsatzrückganges im klassischen Berufsfeld durch ein neues Produktangebot wie Mediation
b) eventuell verbesserte Aussendarstellung durch weitere Titel
c) Verlagerung auf kooperative (ressourcenschonende) Strategien
- Dilemma:
a) Eine Förderung der Mediation kann zur Abwanderung von Mandaten führen. Wenn der Mandant darauf aufmerksam gemacht wird, wie effizient die Mediation sein kann, besteht die Gfahr, dass er beim nächsten Mal dierekt zum Mediator (Mitbewerber) geht.
b) Eine streitwertabhängige Abrechnung führt zu höheren Honorarforderungen
Die Anwaltsmediatoren
Gemeint sind die Rechtsanwälte mit einer qualifizierten Mediatorenausbildung
- Produkt:
a) wie Rechtsanwälte
b) zusätzlich reine Mediation
- Interessenlage:
a) Mehr Bearbeitung von Mediationsfällen
- Dilemma:
a) Es fällt Anwaltsmediatoren mitunter schwer, einmal konfrontativ und einmal kooperativ verhalten zu müssen.
b) Die Kunden verstehen den Unterschied nicht wirklich zwischen Mediation und anwaltlicher Beratung. Anwaltsmediatoren haben einen zusätzlichen Erklärungsbedarf zu ihrer ambivalenten Rolle.
Die Verbände
- Interesse:
a) Mehr Nachfrage nach Mediation
- Dilemma:
a) Die Justiz wird als Multiplikator erkannt. Die Annäherung der Mediation an die Justiz wird deshalb begrüsst.
b) Die Justiz, die sich nicht darauf beschränkt, zur Mediation eines freien Mediators zu empfehlen, ist eine Gefahr für die freien Mediatoren, weil sie ihnen Marktanteile nimmt.
Die Kunden
Dies ist zweifellos der wichtigste Partner auf dem zu beschreibenden Markt. Ohne den Kunden, den Klienten oder den Mandanten erfreut sich keines der Produkte einer Nachfrage.
- Interesse:
a) Nachfragevermeidung
b) Unterstützung bei der Konfliktlösung
- Dilemma:
a) Unfähigkeit, die Chancen und Risiken einzuschätzen
b) Unfähigkeit, die eigenen Interessen zu artikulieren (Die Sicht auf die eigenen Interessen ist konfliktbedingt nicht möglich)
b) diffuser Markt
c) Sozialisierung
Mediation als Lösungsansatz
Wie in der Mediation scheint der beste Weg zur Lösung all dieser am Markt und vor allen Dingen am Kunden zerrenden widerstreitenden Interessen darin zu bestehen, eine win-win Situation herzustellen, an der alle Marktteilnehmer profitieren. Erste Anhaltspunkte für die Suche nach einer win-win Lösung ergibt das Verhältnis von Angebot und Nachfrage. Die Auseinandersetzung mit diesen marktbestimmenden Faktoren ergibt Erkenntnisse über eine zu verbessernde Produktphilosophie
Veränderung der Produktphilosophie
Eine Auseinandersetzung mit der Marktlage ergibt in einem zweiten Schritt Erkenntnisse über ein zu veränderndes Streitsystem.
Veränderungen der Streitkultur
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